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Yin und Yang

Mit Anfang 20 benutzte ich einen gewissen "Frauenkalender". Er war natürlich in einem dunklen Aubergine-Ton gehalten, mit einem feministischen Zeichen vorne drauf und frau konnte sich mit ihm emanzipiert fühlen.
In diesem Kalender für "Emanzen" standen Sprüche von Fauen für Frauen.
Unter anderem stand da doch tatsächlich ein Spruch, der der produktiven, eigenwilligen Coco Chanel zugeordnet wurde und so ganz und gar nicht in das feministische Konzept passte:
Eine Frau,
die nicht geliebt wird,
existiert nicht. Dieser Spruch ist für mich noch immer ein Schlag in die Magengrube.  Wenn mir das ein Macho sagen würde ..... aber in einem Frauenkalender! Welch eine Botschaft, fast niederschmetternd. Wir Frauen sind nur existent durch die Liebe eines Mannes? Das ist ja schlimmer als jedes Märchen, in dem man nur durch die Liebe erlöst werden kann! Hallo? Geht´s noch? So dachte ich mit Anfang zwanzig.

Mit Mitte fünfzig treffe ich heute Frauen, die sich nach nichts mehr sehne…

You have to be a good actor!

Letzte Woche hatten wir Abitreffen.
Ich nahm teil an einem Gespräch mit einer Jahrgangskameradin, die bereits zu Schulzeiten in der Theatergruppe mitwirkte und deren großer Traum es war Schauspielerin zu werden.

Eine Freundin meinte einmal, dass ich bei bestimmten Themen ein ganz gewisses Lächeln hätte, das ihr ganz und gar nicht gefällt. Ich wusste nicht, was sie meinte.

Das Lächeln begegnete mir im Gespräch, als die Frau (lächelnd) erzählte, dass sie sich während einer Krise schamanischen Beistand holte und in der Sitzung ihre Berufung zur Schamanin offenbar wurde. Zuerst wehrte sie sich dagegen, gab dann aber ihren Widerstand auf und sich ihrer Berufung hin.
Nun konnte ich meine Freundin verstehen.
Bei mir ging es um die Berufung zur Schuld, gegen die ich mich zuerst wehrte, um sie dann genüsslich, mit einem Schuss Märtyrertum, anzunehmen.

Das Lächeln der Schamanenfrau beschäftigte mich. Es gab eine Botschaft für mich in diesem Gespräch, die ich nicht sofort erfassen konnte. Ein Or…

Unterwasserleben

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Viele Jahre hatte ich einen wiederkehrenden Traum.
Ich lebte an der australischen Küste. Eines Tages riss mich eine Flutwelle ins Meer. Unter Wasser konnte ich meine Augen öffnen und sah meinen Hausrat um mich herum schwimmen. Da war mein Tisch, meine Stühle und ein Klavier. Nichts war bedrohlich. Meine Dinge und ich schwammen in sicherem Abstand voneinander. Wir schwebten im Rhythmus einer Melodie, zu der wir einen gemeinsamen Tanz aufführten. Ich war glücklich, das Wasser fühlte sich warm an und ich machte mir keinerlei Gedanken darüber, was nun kommen mag.
In einiger Entfernung schwamm ein Mensch. Er kam mir vertraut vor und ich streckte die Hand nach ihm aus. Er war aber viel zu weit weg und ich konnte und wollte mich nicht gezielt bewegen. Ich ließ mich vom Wasser bewegen.

In Venedig besuchten wir eine Ausstellung mit Landschaften, die ein Fotograf unter Wasser inszenierte. Ich war fasziniert von diesen Bildern. Sie erinnerten mich an den Traum, den ich schon lange nicht mehr trä…

Die Maus in unserem Bett

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Ich entspanne sehr gut beim Durchblättern von Magazinen.
Und mich wundert immer wieder, warum Frauen in so sexy Kleider gehüllt werden, um dann bei der Nachtwäsche zu verniedlichen. Ist euch das schon einmal aufgefallen?
Was Schlafanzüge betrifft, können Mutti und Tochter im Partnerlook gehen. Auch auf den Frauenoberteilen tummeln sich Einhörner in Regenbogenfarben, Comicfiguren, Bärchen, Sternenhimmel und - ja, immer wieder - Mäuse. Nachdem die Diddl-Maus ausgedient hat, muss die gute alte Micky Maus wieder herhalten.

Als ich kürzlich den "Ultimativen Guide für die Trends der neuen Saison" von "H(ager) & M(ager)" (so nennen das meine Nachbarn) anschaute, entspann sich vor meinem geistigen Auge folgende Geschichte:

Da geht eine Frau in eine Bar oder in einen Club. Wenn sie solche Stiefel trägt, ist ihr jeder, wirklich jeder Blick gewiss. Der der Männer, aber auch der einer jeder Frau. Das, was einmal im Rotlichtmilieu angesagt war, trägt Frau heute im Alltag. W…

Daumen lutschen

Was bedeutet Partnerschaft?

Nach 31 Jahren Partnerschaft ahne ich, dass es etwas damit zu tun hat, einen Partner zu "schaffen".
Was nicht bedeutet sich einen Partner zu "erschaffen". Wir Frauen denken ja gerne, dass wir uns unseren "Traummann" erziehen können. Da gibt es so tolle Backsets, die man super verschenken kann - "Backe Dir Deinen Traummann" (gibt es übrigens auch für Traumfrauen). Guter Witz oder? Jeder, der längere Zeit ernsthaft an einer Partnerschaft interessiert ist, weiß, dass Beziehungsarbeit eine aufwendige Königsdisziplin ist. Und dass man aus einem Hefeteig keinen Mürbteig machen kann. Aber genau das ist es, was wir denken tun zu können. "Schatz, ich mag lieber Mürbteig, also streng dich doch bitte an und verwandel all deine Zutaten so, dass aus dir Hefeteig ein (für mich) schmackhafter Mürbteig wird." Nichts einfacher als das ... Dabei sind wir doch alle gebacken, aus vielerlei verschiedenen Zutaten. Und es ist wirk…

Seelengemälde oder Der weite Weg

Für Dani Im Frühsommer 2007 zog ich (gerade mal 44) meiner Mutter gegenüber eine Grenze auf. Diese Grenzziehung war zunächst ein Graben und hat sich im Laufe der letzten 10 Jahre zu einer hohen, eisigen Mauer aufgetürmt.
Zwischen dem Graben und der Eismauer liegen viele Tränen. Heiß geweint und doch erfroren. Wenn man genau hinschaut, kann man Wünsche, Erwartungen, Ansprüche, Hoffnungen, Verzweiflung, Kummer, Zweifel, Enttäuschung, Frustration und Trauer erkennen.

Ich habe einiges ausprobiert.

Meine Mutter nicht mehr jeden Sonntag anrufen, aber zu Familienfeiern einladen. Bis ich merkte, dass sie vor meinen anderen Gästen, während ich Kaffee aufbrühte, schlecht über mich sprach.
Sie also nicht mehr zu mir einladen, aber noch zu anderen Familienfeiern gehen, zu denen auch sie eingeladen ist. Bis zum Tag des großen Eklat.
Sie meiden und nicht mehr auf Familienfeiern gehen, an deren Teilnahme sie zugesagt hat (was sie bisher immer getan hat). Bis ich heute merkte, dass sie auch damit üb…

Jesus on youtube

Manchmal frage ich mich, was aus Jesus geworden wäre, wenn er zu Zeiten von Social Media gelebt hätte.

Wieviele Freunde hätte er auf Facebook gehabt? Unermesslich viele, denn auf der Hochzeit von Kana hatte die Braut selbstverständlich die komplette Zeremonie filmen lassen und einer seiner Follower stellte das "Wasser-zu-Wein-Event" postwendend auf youtube. Die Klicks erreichten Milliardenhöhe. Da Jesus sehr im sozialen Bereich beschäftigt war, musste er eine Social Media Agentur beauftragen, die seinen Facebook-Account pflegte, denn leider hatte er nicht nur Bewunderer, sondern auch Hater, die ihn als Scharlatan verunglimpften. Seine Wunderheilungen durch Handauflegen stießen im Netz nicht nur auf positive Bewertungen. Viele beschwerten sich, dass man für eine Terminanfrage stundenlang in der Hotline hing und dann freundlich, aber bestimmt, auf die Warteliste gesetzt wurde. Nächste Terminvergabe beim Wunderheiler: 6 Jahre, 3 Monate und circa 25 Tage. Jesus selbst nahm kein …