Montag, 30. April 2012

Beobachtet, verraten und verkauft


Eine Bekannte, die bei Facebook ist und kürzlich einen Didaktik-Kurs besuchte, erzählte mir von ihrem schockierenden Erlebnis.
Der Dozent, ein Wanderer in den virtuellen Welten, besuchte mit ihnen gemeinsam unterschiedlichste Seiten, loggte sich mit dem ganzen Kurs bei YouPorn und einer Partnerplattform ein, brachte viele Beispiele und wie sie einzuordnen wären.

Dann bat er darum das Licht im Saal auszuschalten, machte den Beamer an und erklärte den Teilnehmern, dass er sich jedes ihrer Profile auf Facebook angeschaut hätte, fünf davon ausgewählt hat und diese nun dem Kurs vorstellen und analysieren möchte. Es wurde mucksmäuschenstill.
Meine Bekannte, die nicht zu den Facebook-Usern gehört, die sich als öffentlicher Star ihrer Seite produzieren, sondern eher das Paradoxon von Facebook lebt, nämlich möglichst wenig von sich preiszugeben, sah sich trotzdem starkem Herzklopfen und schweißigen Händen ausgesetzt. Was habe ich reingestellt? Habe ich bei den Einstellungen nichts übersehen? Kann der Typ auch noch hacken? Auch wenn ich noch so vorsichtig war, was kann der aus dem Wenigen herauslesen? Wie komme ich hier nur schnellstmöglich raus?
Und der scheinbaren Sicherheit eines Minimalprofils wich die Erkenntnis: Einer sieht alles!

Nachdem der gesamte Saal in eine Schockstarre verfallen ist, knipste der Dozent das Licht wieder an und erklärte die Aktion als Scherz. Der jedoch seine Wirkung nicht verfehlte.
Wer eine Freundschaftsanfrage erhält und der Neugierde nicht widerstehen kann diese zu adden, sollte sie innerhalb von Sekunden wieder löschen, falls ihm der "Freund" suspekt erscheint. Es reichen 10 Sekunden um 20 kompromittierende Partybilder runterzuladen.
Einer unserer größten Wünsche ist es "dabei zu sein". War es früher die angesagte Clique, so ist es heute die weltweit vernetzte Facebook-Community. Wie schnell steigt der Freundeskreis auf 50 Personen oder mehr und wer kann das im realen Leben von sich behaupten? Uns entgeht nichts mehr. Der anderen Seite auch nicht.
Und so wie wir uns früher den Gesetzen des Cliquenanführers beugten, um dabei zu sein, so akzeptieren wir heute, dass Facebook unsere Daten beobachtet, an andere verrät und verkauft. So wie wir früher dem Typen, von dem wir wussten, dass er postwendend alles weitertratscht, was wir im Vertrauen ausgeplaudert haben, möglichst wenig von uns erzählten, so versuchen wir uns heute möglichst bedeckt zu halten. Und alles hat seinen Preis. Weder die Aufnahme in einer begehrten Clique, noch die Teilnahme bei Facebook sind kostenlos. Das merken wir dann, wenn die Dinge wieder zu uns zurückkommen.
Wie las ich kürzlich in einer Zeitung?
Schon heute werden Informationen über das Leben und die Gewohnheiten des zukünftigen US-Präsidenten oder der zukünftigen Bundekanzlerin gesammelt. Es gibt keine Geheimnisse mehr.

Stell dir vor du sitzt im Kino und statt des Films erscheint dein Profil von Facebook/Partnerschaftsplattform/jedwede Plattform auf der Leinwand. Anhand deiner Fotos, deiner geaddeten Freunde und deiner posts wird dein Leben konstruiert. Das Licht geht an und alle Kinobesucher schauen auf dich. Fühlst du dich wirklich gesehen als der, der du bist oder sehen sie das Bild, das du von dir selber an die Leinwand projiziert hast? Schein oder Sein?

Dienstag, 24. April 2012

Erlaube dir, was dir nie erlaubt wurde oder Böse Mädchen leben länger

Denn es hält dich gesund.

Für alle Mädels, die schon immer wussten, dass Perfektionismus krank macht, dass gute Mädchen in den Himmel und böse überall hinkommen und es ab und zu richtig gut tut die Zicke, die Diva, die Schlampe oder die Furie rauszulassen.
Hier ist die ultimative Rechtfertigung, durch Studien belegt, die uns in Zukunft davon abhält zu putzen, die Betten zu machen oder zu duschen. Dafür dürfen wir hingebungsvoll die Nase hochziehen, lästern, die Hände in unseren Schoß legen statt sie zu geben, Schuhe in allen Ausführungen kaufen, fettiges Zeug essen, Kaugummi kauen, Bier trinken, die Füße auf den Tisch legen  und laut rumbrüllen.

Wie heißt es so schön bei den Jungs? Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Aber nicht jeder ist ein Indianer. Und nicht jede Frau taugt zum "bösen" Mädchen. Wer sich also beim Danebenbenehmen doch irgendwie unwohl fühlt ... es gibt auch ein anderes Mittel um den Cortisolspiegel niedrig zu halten: EFT (Emotional Freedom Techniques), die Klopf-Technik zur Stress- und Angstreduktion, einfach und sanft, einsetzbar in allen Lebenslagen, da Sie das Werkzeug dafür mit sich führen - Ihre Hände.

Du sollst...


Angeregt von ihrem Video lese ich nun Barbara Shers Buch "Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will". Sie hat dieses Buch bereits 1994 geschrieben und ich finde es äußerst aktuell.

In einer Gesellschaft, in der die Unternehmen immer größer, die Unternehmensphilosophien immer fragwürdiger und die "Entmenschlichung" immer weitreichender wird, ist es wichtig unsere ganz persönliche Ausrichtung zu finden. Das, was sie das "lost genius" nennt, unsere ursprüngliche Vision und den Mut sie zu verwirklichen.
In einer Zeit, in der kleine Bäckereien schließen müssen, da im "Backwerk" Teigrohlinge am laufenden Band, zuzüglich dem obligatorischen Kaffe "to go", erworben werden können und Snack plus Cappuchino schnell im Gehen auf der Straße verzehrt werden, in der Metzgereien schließen müssen, da sie die strengen EU-Auflagen nicht erfüllen und keine Möglichkeit zur Schlachtung mehr sehen und damit unsere typisch fränkische Gastwirtschaft mit eigener Schlachterei und selbstgebrautem Bier langsam vom Aussterben bedroht ist, freue ich mich um so mehr, wenn ich in unserer Innenstadt eine kleine Gasse entlanggehe, in der eine Halbitalienerin den Mut hat eine typische italienische "Pasticcheria" zu eröffnen, eine Mittfünzigerin den Schritt macht ihren Traum von einer "Quicheria" zu verwirklichen und der "Kaffeemann" in einem warmen Ambiente frisch gerösteten Kaffe anbietet. Diese verwirklichten Träume gilt es zu unterstützen. Und wie komme ich dahin meinen Traum, von dem ich vielleicht noch nicht einmal etwas weiß, zu verwirklichen?

Hier kann das Buch von Barbara helfen, denn sie zeigt auf, dass wir geprägt sind von dem, was sich unsere Umwelt, hauptsächlich unsere Familie, wünscht oder erträumt. Als Kinder sind wir von unseren Eltern abhängig und wir "erspüren" ihre Erwartungen, manchmal versuchen wir sogar "ihren Traum" zu leben und wundern uns, wenn wir zwar erfolgreich sind, dieser Erfolg uns aber nicht glücklich macht. Vielleicht macht er ja die Personen glücklich, deren Bild wir entsprechen, deren Traum wir verwirklichen, deren Wünsche wir erfüllen. Aber wer lebt unser Leben, wenn wir das Leben eines anderen leben?
Und bitte nicht missverstehen: Es geht hier nicht um Schuldzuweisung, sondern um Bewusstwerdung.
Auch Menschen, die sich von ihren Eltern über alles geliebt und unterstützt fühlen, sind nicht vor "Desorientierung" gefeit. Lebe ich mein Leben oder lebe ich das Leben eines anderen? Und wenn ja, wessen Leben lebe ich?
Es geht auch nicht darum irgendjemand vor den Kopf zu stoßen, es geht darum das eigene Glück zu finden und "erwachsen" zu werden, sie nennt es:
Was du wirklich tun solltest, ist all das, was dein Herz zum Singen bringt
Sie unterscheidet zwischen Liebe und Respekt. Interesse ist die ehrlichste Form von Respekt und Respekt bedeutet Differenzierung. Deswegen fällt es uns leichter, mit wildfremden Personen über unsere wahren Träume zu sprechen, als mit uns nahestehenden. Denn Liebe bedeutet Verschmelzung und Verschmelzung bedeutet Teil eines größeren Ganzen zu sein.
So können wir uns geliebt und als Teil eines größeren Ganzen fühlen, sollten jedoch nicht die Differenzierung außer Acht lassen, die eine nötige Voraussetzung ist, um das zu finden, was wir suchen. Wer bin ich und was will ich?
Unsere Träume bringen zum Ausdruck, wer wir sind. Gehen Sie also auf Spurensuche und finden Sie Ihre Träume wieder.

Freitag, 20. April 2012

Frühstücksgespräch

Heute Morgen machte mich mein Mann auf einen Artikel aufmerksam.
Es ist ein Interview mit der Sängerin Norah Jones anlässlich ihres neuen Albums "Little Broken Hearts".
Norah Jones - ihre CD lief vor sieben Jahren täglich auf meinem Weg zur Arbeit. Wer mochte sie nicht? Sie war so etwas wie "everybodys darling". Sogar in den vorgefertigten Diddlemaus-Freundschaftsalben, die in der Grundschulklasse meines Sohnes umhergereicht wurden, stand in der Rubrik:
Lieblingssängerin: Norah Jones
Sie war tauglich für Grundschülerinnen, sowie für deren Mütter.

Und nun sagt die 33-jährige fünffache Grammypreisträgerin im Interview:
Der Erfolg traf mich aus heiterem Himmel und es war anfangs schwer, damit klarzukommen. Heute ist meine Welt voller kleiner Dinge, die gut klingen und die ich gerne tue. Das lasse ich mir nicht vom Erfolg kaputt machen.
Irgendetwas ist für mich nicht stimmig an diesen Worten, zumindest ist die Sichtweise ungewohnt. Wenn jemand von seinem Erfolg spricht, klingt das in der Regel positiv. Bei Norah Jones Zitat könnte man das Wort Erfolg durch das Wort Misserfolg ersetzen.
Erfolg kann einen also genauso wie Misserfolg aus heiterem Himmel treffen und die Dinge kaputt machen, die wir lieben. Dabei streben wir alle so sehr nach Erfolg.
Und ich denke an das Motto meines 16-jährigen Sohnes "Du musst am Nullpunkt angekommen sein, damit es wieder bergauf gehen kann". Bist du am Höhepunkt des Erfolgs angekommen, dann kann es nur bergab gehen - das ist die logische Konsequenz. Harmonie gibt es da, wo sich bergauf und bergab treffen - in der Mitte.

Im Song "She´s 22" geht es um einen Mann, der seine Frau für eine Jüngere verlässt und sie fragt ihn und sich selbst "Does she make you happy?" Der Titelsong "Little Broken Hearts" lässt darauf schließen, dass Norah eigene Erfahrungen verarbeitet hat. Norah ist 33 und ich denke an die Zeilen von Katie Melua, die sang "I am 22 but I act just like 17" und plötzlich fühle ich Endvierzigerin mich alt. Es ist ein gutes Gefühl. Diese Gedanken sind wie eine Rückschau auf mein eigenes Leben und ich lächle milde, als ich meiner besseren Hälfte, die neben mir am Frühstückstisch sitzt, die Worte Oskar Wildes zitiere "Jugend ist keine Qualität", woraufhin diese erwidert "Arroganz des Greisentums auch nicht".

Dienstag, 17. April 2012

Du hast mich nie gesehen!


Barbara Shers Worte in ihrem Video auf youtube "Create your new life" bewegen mich nicht nur zum Lachen, sie machen mich auch nachdenklich. Es geht um ihre Definition von Liebe.
Meine freie Übersetzung:

Weißt du was Liebe ist, was Liebe wirklich ist? Nicht dieses romantische Zeugs, das uns die Natur einredet. Zu lieben bedeutet in der Lage zu sein zu sehen, wirklich hinzusehen. Einen Menschen zu lieben bedeutet diese Person zu sehen. Nicht als jemanden, der dich glücklich machen könnte oder dir geben könnte, was du brauchst. Vielleicht ist es jemand, dem du nicht nahe sein kannst, vielleicht ist es jemand, der dir Schwierigkeiten macht und mit dem du nicht zusammen sein kannst, aber diese Menschen sind einzigartig und erstaunlich.
Ich habe in meinem Post "Verlassene Eltern" über das gesellschaftliche Dilemma geschrieben, dass immer mehr Kinder sich von ihren Eltern abwenden, sie nicht mehr sehen wollen und diese in Schmerz, Wut, Ohnmacht und Hilflosigkeit zurückbleiben. Mir begegnen häufig Leute in meinem Alter (Kriegsenkel), die sich "nicht gesehen" fühlen. Es scheint, als ob der Fokus unserer Eltern (Kriegskinder) unbewusst auf sie selbst gerichtet war. Vielleicht war das nötig, damit sie sich selbst halten konnten. Dafür stelle ich in meiner Generation eine gewisse Haltlosigkeit fest, eine große Angst vor dem Fallen lassen, die durch ausgeprägte Selbstkontrolle kompensiert wird. Fallen lassen auf vielen Ebenen, was bedeuten kann sich nicht in eine Beziehung fallen lassen zu können, aber auch in jedwede Herausforderung, die Verantwortung mit sich bringt. Diese Haltlosigkeit macht klein und verzagt. Fühle ich mich nicht gesehen, dann bekomme ich kein feedback, was mich selbst betrifft. Ich bekomme Erwartungen, Vorstellungen, Ansprüche, Forderungen, wie ich sein sollte. Ich bekomme ein Bild von dem, wie ich idealerweise zu sein hätte. Und das bringt mich weit weg von dem, was ich wirklich bin. Wer sich nicht gesehen fühlt, mag auch irgendwann nicht mehr auf den anderen schauen. Wer sich nicht gehalten fühlt durch eine Verbindung, die aus dem Herzen kommt, der braucht viel Kraft um sich selbst zu halten. Was bleibt sind Vorwürfe, die aus enttäuschten Erwartungen hervorgehen. Meistens beidseitig. Und Vorwürfe machen uns unfrei, sie halten uns in einem Status der Erwartung und Sehnsucht fest, der in der Regel unerfüllt bleibt. Wie kleine Kinder klammern wir uns an unserem Wunsch und der Wunscherfüllung fest. Wir alle haben genaue Vorstellungen von "idealen Eltern" und was sie tun und lassen müssten, um uns zu glücklichen Kindern zu machen. Und die Sehnsucht nach einer glücklichen Kindheit, dem Gesehen werden wie wir wirklich sind und dem bedingungslos Geliebt werden wie wir wirklich sind, kennt keine Altersgrenze. Wurde unser Bedürfnis nicht von unseren Eltern  gestillt, übertragen wir es auf den Partner. "Sieh mich, halte mich, lass mich nicht fallen, liebe mich, mach mich glücklich". Und das Rad von Erwartung und Enttäuschung dreht sich weiter.

Barbara Sher kommt auf ihre Definition von Liebe, nachdem sie sagte "Give your heart an exercise".
Ich stimme ihr zu. Um aus dem Dilemma von "nicht gesehen werden und nicht mehr sehen wollen" herauszukommen, könnten wir unser Herz darin üben zu sehen, wirklich hinzuschauen. Und das heißt hinter die Fassade zu blicken. Unsere Gesellschaft ist dem schönen Schein verfallen. Wollen wir wirklich lieben, dann gilt es sich nicht vom schönen Schein blenden zu lassen, sondern das zu sehen, was darunter liegt.
Das Schöne im Sein zu entdecken. Das zu sehen, was im Kern angelegt ist und nicht das, was die schöne oder weniger schöne Schale uns sehen lassen will. Unter die Oberfläche zu dringen und die Schönheit zu sehen, die in einem  jeden von uns angelegt ist. Das, was uns einzigartig und erstaunlich macht.
Können wir es in uns sehen, können wir es im anderen sehen.
Können wir es im anderen sehen, können wir es in uns sehen.
Es lohnt sich also in jedem Fall richtig hinzuschauen.

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Eine Übersicht zum Thema finden Sie auf meiner Website unter "Traumatisierte Familien". 

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Mehr Gedanken zu diesem Thema unter "Band ums Herz", "Kriegskinder - Die vergessene Generation","Kriegsenkel - Die Erben der vergessenen Generation", "transgenerationale Traumata", "German Angst", "Ein System für das es noch keinen Namen gibt"

Mittwoch, 11. April 2012

Für Julia


Als ich vor zwei Jahren eine heftige Krise hatte und mein Leben auf mehreren Ebenen dem Potsdamer Platz 2007 glich, gab mir meine Freundin Julia den Tipp "Lass dir eine Wanne ein und nimm dir ein Erdbeertörtchen mit". Das war damals ihre Art Probleme zu lösen.
Ich hätte sie beinahe auf den Mond geschossen. Ich habe die Krise überstanden und unsere Freundschaft tat es auch.
Und heute schickt sie mir diesen link und wir lachen beide Tränen über Barbara Shers Gesicht, wenn sie darüber spricht, dass in Frauenzeitschriften geraten wird "Treat yourself right. Take a bubble bath". Köstlich.
An alle Frauen, die keine Lust mehr haben sich vom Leben ablenken zu lassen mit einem Schaumbad oder einer Pediküre: Give your brain a bubble bath. Give your heart an exercise.

Großartige Barbara Sher. Wunderbare Julia. Danke.

We will never bomb your country - We love you


Ein Beispiel für Zivilcourage ist Ronny Edry mit seiner Botschaft: We will never bomb your country - We love you.
Die Liebeserklärung eines israelischen Vaters an das iranische Volk, die weite Kreise zieht.

So macht das www Sinn. Das Netz als Ausdrucksmittel für Bekundungen von Liebe und Symphatie und dem Wunsch nach Frieden. So negativ die Macht auf manche von uns ist, die sich in den Weiten des Netzes verlieren, so positiv kann die Macht sein, wenn wir den Schulterschluss üben, was Frieden betrifft.

Power to the People and Peace to the World


Unser inneres Haus

Letzte Woche wurde ich auf einem Seminar mit dem Begriff "Katathymes Bilderleben" konfrontiert. Dieser Begriff war für mich nicht belegt. Zum Glück gibt es Wikipedia.
Die Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP) ist ein von Hanscarl Leuner 1954 eingeführtes tiefenpsychologisch fundiertes Verfahren, das anfänglich unter den synonymen Begriffen „Katathymes Bilderleben“ (KB) und „Symboldrama“ bekannt wurde. Heute heißt es im offiziellen Sprachgebrauch „Katathym Imaginative Psychotherapie“ (KIP).
Aha, und was heißt das?
Im Unterschied zu Visualisierungstechniken anderer Methoden zeichnen sich die katathymen Imaginationen dadurch aus, dass sie nicht nur optische Eindrücke plastisch vor Augen führen, sondern grundsätzlich alle Sinnesmodalitäten umfassen und sich in Handlungsvollzügen von Tagtraumcharakter entfalten. Das Beiwort „katathym“ soll deutlich machen, dass diese Vorstellungen „aus dem Gefühl heraus“, also nicht willentlich gesteuert werden.
Auf der Bildebene des Tagtraums kommen neben der aktuellen Befindlichkeit des Patienten u.a. seine Wesenszüge, Verhaltenseigentümlichkeiten, Ressourcen, Motivationsstrukturen und zentralen unbewussten Beziehungskonflikte symbolisch zur Darstellung.
Okay, mit dem Wort Tagtraum kann ich durchaus etwas anfangen. Für mich sind das die kleinen Alltagsfluchten. Aber was ist nun der Unterschied zwischen Tagtraum und katathymer Imagination und was hat es mit den Symbolen auf sich?
Da werde ich bei Wikipedia nicht fündig und komme auf diese Seite
Der Begriff „katathym“ leitet sich vom griechischen Wort „Thymos“ für Gemüt oder Seele ab und beschreibt die Wirkung eines verdrängten Konfliktes oder Traumas auf die Psyche. Dabei geht die Methode von der Annahme aus, Bilder die wir in Tagträumen sehen oder im Zustand der Tiefenentspannung visualisieren, spiegeln unsere unbewussten Gefühle wider. Daher werden die Imaginationsübungen auch nicht willentlich gesteuert. Der Patient lässt sich viel mehr darauf ein, was an Bildern und damit verbundenen Emotionen aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche kommt. Er selbst hält den Schlüssel zur Deutung der Symbole in der Hand.
Und nun gibt es eine Auflistung der Symbole (Wiese, Bach, Berg, Waldrand, Höhle, Löwe, Haus) mit Erklärung.
Mich zieht das Symbol "Haus" an und ich bekomme auf dieser Seite ein Beispiel.
Anwendungsbeispiel aus der Praxis:
Frau S. suchte ihr "inneres Haus" auf. Sie stellte zu ihrer Bestürzung fest, dass schreckliche Unordnung herrschte, das Wohnzimmer staubig und ungemütlich war, Küche und Keller "eine Katastrophe".
Dieses innere Haus spiegelte ihr momentanes "Chaos" im Leben wieder. Im Laufe der nächsten Sitzungen machte sich Frau S. daran, aufzuräumen, zu putzen und das Haus nach ihrem Geschmack einzurichten. Sie entdeckte nie benutzte Zimmer und überlegte sich, wie sie diese einrichten könnte. Ein Zimmer wurde zur Entspannungs- und Kuscheloase, eines zum Musikraum. Den Keller entrümpelte sie und entdeckte dabei wertvolle Schätze, von denen sie nie geahnt hätte, dass diese zwischen alten Kisten auftauchen würden.
Mit zunehmender Hausrenovierung und Nutzung veränderten sich auch grundlegende Strukturen im Leben von Frau S. Sie ließ viel "seelischen Müll" los, ging grundlegende Partnerschaftsprobleme an und veränderte ihre berufliche Situation, mit der sie vorher sehr unzufrieden war. Insgesamt veränderte sie ihr Leben in vielen Bereichen. Dies brachte ihr Zufriedenheit, Selbstvertrauen und Gesundheit (Heilung ihrer Migräne).
Ich kenne einige Leute, die statt einem inneren Haus eine Baustelle haben. Aber so ist das ja manchmal im Leben. Alles ist im Umbau begriffen und wir können nur hoffen, dass die Baustelle sich zu dem vagen Bild entwickelt, das wir haben. Oder es entwickelt sich alles ganz anders als gewollt oder erhofft und hinterher stellen wir fest, dass sich trotzdem alles zum Guten für  uns gewendet hat.

Und nun fand ich heute Morgen in unserer Tageszeitung eine kleine Notiz.
Omar Sharif (80), Schauspieler, hält Filmpreise wie die Golden Globes für entbehrlich. "Ich wollte nie etwas besitzen. Wenn ich sterbe, kann ich doch sowieso nichts mitnehmen", sagte er in einem Interview. "Wie soll ich mit diesen Dingern reisen?", fragte der 80-Jährige, der seit Jahren keinen festen Wohnsitz hat und aus dem Koffer lebt. Seine logische Konsequenz: "Also habe ich sie einfach in den Hotels stehen lassen."
Ich lebe in einem Viertel mit vielen Rentnern, die den ganzen Tag damit beschäftigt sind Haus und Garten zu pflegen. Jedes Gründstück ist eindeutig mit einem Zaun begrenzt. Manchmal möchte ich in die Köpfe der Leute sehen können. Wie das innere Haus meiner Nachbarn aussieht und wie das eines 80-jährigen, der in der Welt zuhause ist. Wir denken so oft, dass wir viel besitzen müssen um reich zu sein. Und was ist ein 80-jähriger ohne Besitz?
Auf demselben Seminar hörte ich, dass Frauen von der Venus kommen und die Veranlagung haben alles zu teilen. Die Männer kommen vom Mars und sehen das anders.

Was aber, wenn Spezies "alles teilen" auf Spezies "Besitzlosigkeit macht frei" trifft?
Müssen wir dafür erst achtzig werden und erkennen, dass wir nichts mitnehmen können?

Wie sieht Dein inneres Haus aus? Schließ mal die Augen .....

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