Dienstag, 27. November 2012

Weiblichkeit und Männlichkeit


A mysterious woman

who wants to maintain
her charismatic appearance
needs to do things
no man on earth
will ever understand


Diese Zeilen habe ich heute auf der Seite von Mizzie Morawez gefunden und sie geben mir die Antwort auf eine Frage, die ich schon lange mit mir herum trage.

Ich komme gerade von einem viertägigen Kampfkunstseminar. Das Praktizieren von Karate ist im fortgeschrittenen Bereich noch immer überwiegend eine Männerdomäne und dementsprechend geprägt. Es wird behauptet, dass nicht unterschieden wird zwischen Männerkarate und Frauenkarate und doch sehe ich Unterschiede. Das Leben auf der Matte spiegelt in einem kleinen Kosmos genau das wieder, was draußen auf anderen Plätzen stattfindet. Viele Frauen, die sich der Kampfkunst widmen, haben einen großen männlichen Anteil in sich. Im Laufe der Zeit werden sie männlicher als so mancher Mann, da sie denken sich anpassen zu müssen, um mithalten zu können.

Meine Entwicklung ist gegenläufig und ich frage mich oft, wohin ich gehe.
Ich musste auf die Matte, um zwischen all den Männern zu erkennen, dass ich kein Mann bin. Heute fühle ich mich weiblicher denn je und verstehe, dass ich einen anderen Weg als den männlichen gehen muss, um bestehen zu können. Es gilt den weiblichen Weg zu gehen in einer männlichkeitsdominierten Welt. Frauen erfahren in der Männerwelt immer wieder Unverständnis, das oft einer männlichen Verunsicherung entspringt, die dann versucht die Weiblichkeit klein und nichtssagend zu machen. Aber Weiblichkeit ist bezwingend. Mehr als alles andere. Haben Männer Angst davor?
Ich fühle mich oft missverstanden in diesem männlich orientierten Kosmos und möchte gerne verstanden werden. Mizzie lässt mich erkennen, dass ich nicht verstanden werden muss, vielleicht sogar nicht verstanden werden kann, wenn ich meinen weiblichen Anteil leben will. Denn Frauen werden für Männer immer ein Mysterium bleiben. Vielleicht soll es so sein.

Ich sehe in dieser Welt einen großen Bedarf an echter Weiblichkeit, die sich am Gefühl statt am Verstand orientiert. Ich sehe einen großen Bedarf an Weichheit statt Härte, an Sanftmut statt Aggression, an Miteinander statt Gegeneinander, an Zärtlichkeit statt Abwehr durch Kontrolle.
Es würde auch den Männern gut stehen sich zu ihrem weiblichen Anteil zu bekennen, der in jedem vorhanden ist und bisher nur den Homosexuellen zugestanden wird. Der weibliche Anteil im Mann bedeutet Güte. Und wer möchte behaupten, dass es davon genug in unserer heutigen Gesellschaft gibt? Güte bedeutet nicht gutmütig. Güte bedeutet Milde statt Häme, Verständnis statt Intoleranz, Gelassenheit statt Konkurrenz, Friede statt Kampf.

Ich kann hier nicht für Männer sprechen, ich kann für mich als Frau sprechen und ich sage: 
Wir Frauen brauchen echte Männer um zu unserer echten Weiblichkeit zu gelangen. 
Und umgekehrt dürfte es genau so sein. Für Echtheit braucht es Ganzheit. Sprich Akzeptanz aller Anteile, die in uns sind. Ganzheit bedeutet Präsenz.
Das hat nichts mit Gleichmacherei zu tun, sondern mit Annäherung und Wertschätzung für alles, was ist und wie  es ist. Anerkennung des Unterschiedlichen aus dem sich die Anziehung und Vielfalt nährt, die den Reichtum unseres Lebens ausmacht.

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Bjørn Thorsten Leimbach bringt es ganz gut auf den Punkt "Herzenskrieger oder Wo die echten Kerle seminaren"

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Dieser Beitrag ist Teil einer Themenzusammenfassung, die Sie unter "RaumZeiten" auf meiner Homepage finden.




Donnerstag, 1. November 2012

Skyfall oder Der Bond in uns


Barbara Broccoli ist James Bonds wahre Chefin, denn sie bestimmt den Hauptdarsteller, die Story und das Girl.
Sie ist eine der mächtigsten Hollywood-Produzentinnen der Welt und übernahm 1995  die Londoner Bond Produktionsfirma EON, die ihr Vater gegründet hatte.
James Bond ist für sie so etwas wie ein Held des Zeitgeistes, daher auch die wechselnden Darsteller mit ihren unterschiedlichen Charaktermerkmalen, die dem aktuellen Zeitgeschehen angepasst werden.
Daniel Craig spiegelt als angeschlagener Bond die angeschlagene Welt des 21. Jahrhunderts, ein andersgearteter Einzelkämpfer, der das Publikum an seinem Innenleben teilhaben lässt. Dieser Bond zeigt Gefühle, körperlichen und emotionalen Schmerz. Er ist der Bond, dessen Anzug nach einem Handgemenge nicht mehr unversehrt aussieht, der Bond, dem man nach einem Kampf die Strapazen ansieht, der Bond, der am authentischten wirkt. Der Bond, der sagen könnte "Weißt du überhaupt, was das mit mir macht?"

Barbara Broccolis Vater pflegte zu sagen, dass die Figur James Bond größer sei als ihre Darsteller.
Was ist es, das diese Figur und den jeweiligen Darsteller für Frauen und Männer gleichermaßen attraktiv macht? Was macht einen Helden aus, der jedem Zeitgeist gerecht wird? Was macht einen Helden aus, der alles überlebt?
Bond mag die Regeln seines Jobs immer wieder unterlaufen, aber er darf nie korrupt sein. Er muss ein harter Kämpfer sein, aber nicht zu brutal und nie sadistisch. Er ist verletzlich und psychologisch tiefer geworden. Aber er ist kein Weichling.
Ist das nicht die Art von Mann, den sich Frauen wünschen und ist das nicht die Art von Mann, die Männer gerne wären?
Was wäre die Welt voller Bonds?
Wie heißt es so schön in der deutschen Sprache "Es ist noch kein Bond vom Himmel gefallen", aber einen winzigen Aspekt dieses aktuellen Zeitgeist-Helden in uns wachzukitzeln, wäre schon klasse.