Donnerstag, 27. Februar 2014

Ich bin dann mal weg ....

... im fernen Osten. Auf der Insel Okinawa - Wiege des Karate (wer von euch kennt Karate Kid?). Ich trete diese Reise zum zweiten Mal an. Nach der ersten Reise war ich ordentlich entmystifiziert. Nein, dort kommen nicht alle mit einem schwarzen Gürtel auf die Welt. Ja, Konkurrenz, Kampf und Machtstreben sind überall verbreitet. Auch in japanischen Dojos. Diesmal reist eine gehörige Portion Respekt mit. Ich freue mich darauf unseren sensei, 10. Dan, wiederzusehen. Es gibt eine Sorte von Menschen, die vom Aussterben bedroht scheint. Bevor einer von ihnen denen davor nachfolgt, möchte ich noch einmal alles aufsaugen, was er ausströmt. Ich werde euch berichten ...

Der Krieger im Gedankenstreuner


Reiki in Dosen

Nachdem ich meinen Reikilehrer beendet hatte, machte mein Mann den Vorschlag "Reiki in Dosen" zu verkaufen. Es war ein Scherz. Hätte ich diesen Vorschlag ernst genommen, könnte ich heute vielleicht im materiellen Eso-Flow mitschwimmen.
Bier brauen nach deutschem Reinheitsgebot ist in Deutschland weniger lukrativ als das Geschäft mit der Esoterik.

Einige Zahlen zur Esoterik-Szene
  • Etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Milliarden Euro pro Jahr setzt die Branche allein in Deutschland um. Zum Vergleich: Die Bierindustrie in Deutschland macht jährlich einen Umsatz von neun Milliarden Euro.
  • Manche Organisatoren verdienen mit Engelsfestivals an einem einzigen Wochenende bis zu eine halbe Million Euro.
  • Von insgesamt circa 1000 Gruppen, die es in Deutschland gibt, fallen 600 allein in den Münchner Raum.

Nachzulesen unter laVita, eine Sendung des BR - "Das Geschäft mit der Esoterik" (Erstausstrahlung 24. Februar 2014).



Freitag, 21. Februar 2014

Verwandlung

Über den Dächern unserer Stadt vollzieht sich einmal mehr ein dramatisches Spektakel, an dem ich euch teilhaben lassen möchte.

Die Verwandlung eines Rauchdrachen zum Feuerdrachen. Ich liebe dieses Schauspiel an der Himmelsbühne.


Ist das richtig?

Anfang der Woche schaute ich mir eine Berichterstattung zur Lage in der Ukraine an. Es wurde eine Frau interviewt, die aussah wie die Puppen, die meine Tochter so liebte. Sie stand dort, auf dem Maidan, im Feuerschein zwischen behelmten Demonstranten und Verletzten, die abtransportiert wurden. Den Kopf schützte nur ein buntes Kopftuch und sie sagte:
Wie kann ich zu Hause sitzen bleiben, wenn hier, auf diesem Platz, meine Enkel verbluten? Wofür müssen sie sterben? Weil sie für Freiheit und Demokratie sind? Ist das richtig?

Mittwoch, 19. Februar 2014

Monogamie

There’s a lot to be said for monogamy. It’s the ultimate symbol for One, because it keeps your mind focused on one primary person. You just have to undo everything around him, every story about him that rises up in your mind. Monogamy is a sacred thing, because the mind can be very still in that position. One person will give you the experience that a million people could give you. There’s only one mind. Your partner will bring up every concept ever known to humanity, in every combination, so that you can come to know yourself. If you can just learn to love the one you’re with, you have met self-love.

Byron Katie
Diese Worte hat Byron Katie zum Valentinstag auf ihrem Facebook-Account gepostet. Und für mich sind es die schönsten Worte über Monogamie. Warum sollen wir einem Menschen treu sein? Mit nur einem zusammen sein? Mit nur einem teilen? Weil uns eine einzige Person die Erfahrung geben kann, die uns auch hundert andere geben könnten. Aber die Entscheidung für eine Person und damit die Konzentration auf eine Person, lässt uns ruhig werden. Wir können uns auch entscheiden von einem zum anderen zu wandern, aber wir werden letztendlich nichts anderes finden, was wir nicht auch bei dem Einen finden würden - weil wir im anderen immer nur uns selbst begegnen.


Montag, 17. Februar 2014

17. Februar 2014

Das Foto habe ich in unserem Schlossgarten aufgenommen. Als ich auf der Wiese stand, blieb ein älterer Herr mit zwei Gehhilfen stehen und meinte "Das müssen Sie aufnehmen, sonst glaubt Ihnen das keiner". Ich bejahte, nicht recht wissend, ob er mich auf den Arm nehmen will. Da sagte er "Ich lebe schon mein ganzes Leben in dieser Stadt, aber ich habe noch nie Mitte Februar Krokusse blühen sehen."
Heute ist ein ganz besonderer Tag. In unserer Stadt blühen die Krokusse so früh wie in den letzten 60 Jahren nicht. Und ich bin dabei.

Freitag, 14. Februar 2014

Absicht

Unser raubvogelhafter Kunstlehrer sagte immer "Ein Bild muss gerahmt sein, auch ohne Rahmen". Wenn ihm dann einer von uns ein durchsichtig konstruiertes Bild vorlegte, schnaubte er verächtlich und zitierte Goethe:
Man erkennt die Absicht und man ist verstimmt
So schärfte er unseren Blick.
Es gibt Dinge, die nehmen einen ein. Mit Witz, Charme, Überzeugung. Und dann gibt es Dinge, die kommen brachial daher. Werbung, die sich unaufgefordert über den Bildschirm schiebt und einem den Blick auf das verwehrt, was man eigentlich sehen möchte. Blinkende Banner mit wechselnden Bildern, die am rechten Rand von Seiten platziert sind und geradezu blenden. Unverschämt, grell und aufdringlich. Herr Sch., unser Kunstlehrer, hätte Goethe zitiert. Das Titelbild der neuen brand eins bringt die Absicht auf den Punkt.

Donnerstag, 13. Februar 2014

Meerschaum

Darf ich vorstellen: Das sind meine Füße. Was sie bekleidet und warm hält sind Meerschaumsocken. Mit Liebe farblich ausgewählt, gestrickt und benannt nach meinem Lieblingsmärchen "Die kleine Meerjungfrau" von Hans Christian Andersen. Ich liebe selbstgestrickte Socken!
Vielen Dank, liebe Kerstin, für diese Prachtexemplare.

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Dienstag, 11. Februar 2014

Für Axel


If the whole world rejected you and you didn’t believe any of your thoughts about it, you’d be completely at peace.
Byron Katie
Stell dir vor, jemand erzählt, dass jemand über dich sagt, du wärst das Allerletzte. Und du könntest völlig ruhig bleiben, weil du weißt, dass nicht die Meinung des anderen dich in Unfrieden bringt, sondern deine eigenen Gedanken über die Meinung des anderen über dich.

Jemand aus unserer Familie schafft es ab und an zu so einem Vorfall zu sagen "Das ist mir bumms". Ich wünschte, mir könnte noch viel mehr auf dieser Welt bumms sein.


Freitag, 7. Februar 2014

Jetzt

Gestern las ich einen interessanten Artikel. Geschrieben von einem niederländischen Regressionstherapeuten, der über das schreibt, was mich schon seit längerem beschäftigt.
Ich war nicht gut in Physik und kann nicht behaupten, dass ich Einsteins Relativitätstheorie durchdringe, aber die Theorie, dass Zeit und Raum lediglich Illusion sind, die ist hängengeblieben und beschäftigt mich. Wenn ich es richtig verstanden habe, erschaffen wir ein Erfahrungsfeld, indem wir den Moment, in dem alles ist, aufspalten in zwei Punkte a und b (oder in 3 Dimensionen, Höhe Breite Tiefe). Dieses Feld zwischen a und b ergibt einen Raum, das was passiert, wenn wir von a nach b gehen, nennen wir Zeit. Unser Erfahrungsfeld umfasst also diesen Gang von a nach b in einer gewissen Zeit. Erinnerung ist das, was hinter uns liegt - Vergangenheit. In unserer Erinnerung knüpfen wir an einem Punkt an, der hinter uns liegt. Das was vor uns liegt, die Zukunft, können wir nicht erkennen, da sie sich aus dem ergibt, was wir jetzt tun.

Regressionstherapeuten beschäftigen sich mit "alten Leben". Falls man an das Modell der Wiedergeburt glaubt, können wir uns nicht nur an das erinnern, was in diesem Leben stattfand, sondern auch an das, was in vorherigen passierte. Die These ist, dass viele undefinierbare Gefühle, wie Ängste, aus einem früheren Leben stammen und heute noch Vermeidungstaktiken auslösen. "Gebranntes Kind scheut das Feuer". Wenn wir in unserer Geschichte zurückblicken, war es nie besonders lebenserhaltend, wenn wir rebellierten, die Wahrheit sprachen, Kräuterkunst vertrauten, widersprachen, nicht dienen, nicht konform gehen wollten. Falls es das Modell der Wiedergeburt gibt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ein jeder von uns in einem "alten Leben", aufgehängt, erschossen, zu Tode gefoltert, verbrannt, misshandelt wurde, weil er irgendetwas nicht einhielt. So wie uns auch in unserem jetzigen Leben eher die Erfahrungen prägen, die uns verletzen, so ist das dann wohl auch mit der "Vergangenheit" hinter der jetzigen Vergangenheit. Höhenangst kann eine "alte Erinnerung" an eine Erfahrung sein, zu der wir in diesem Leben keinen Bezugspunkt finden. Weil wir in einem "alten Leben" von einem Turm geworfen wurden. Wir scheuen die Höhe, weil die Erfahrung des Todes damit verbunden ist. Das kann in Panik münden.

Wie gesagt - das ist eine Hypothese. Daran mag man glauben oder nicht.
Ich finde die Idee spannend und war bereit zu experimentieren. Heute weigere ich mich von "alten Leben" zu sprechen. Das hat viele Gründe. Ein Grund ist, dass diese "Bilder" (wie ich sie heute nenne) aus meinem Gefühl heraus entstanden. Sie hatten so immer einen Bezugspunkt zu meinem jetzigen Leben. Diese "Bilder" sind für mich Metaphern oder Filme, die sich aus meinem persönlichen Gefühl heraus kreieren. Da ich viel Fantasie habe, schrieb ich die tollsten Drehbücher. Man kann sehr viel hineininterpretieren in die Rollen, die man in so "alten Leben" spielt. Hier ein kleines Licht, in der Vergangenheit der große Zampano. Das birgt die Gefahr zum Abheben.

Es gab "Bilder", die mich sehr beschäftigten, da ich wusste, sie haben etwas mit meiner jetzigen Situation zu tun. Damit, dass ich etwas nicht erkennen kann, weil ich zu nahe dran bin. Je surrealer die Filme waren, die vor meinem inneren Auge abliefen, desto greifbarer wurde für mich der Kern der Sache. Das Gute an diesen "Filmen" ist, dass wir sie bis zum Ende abspulen und so fast einen Blick in unsere "Zukunft" werfen können. In meinen "Filmen" gab es einen Punkt, an dem ich von meinem Weg abkam, was ich, in der Regel, mit meinem Leben bezahlte. Für mich galt es diesen Punkt zu finden, WANN und WARUM ich abkam. Was mir half, war das Gefühl meiner damaligen "Todeszeitpunkte". Sie waren immer mit Scham verbunden. Auch in diesem Leben schämte ich mich entsetzlich. Ich hatte "damals" entweder nicht die Aufgabe erfüllt, mit der ich angetreten bin oder ich habe mich von der Aufgabe, die ich für mich entwickelt hatte, abbringen lassen. Es hat gedauert, bis ich für mich dahinterkam, was die Auslöser waren und noch immer sind.
Das eine ist das fehlende Bewusstsein dafür, dass ich als Mensch die Fähigkeit der Entscheidung habe. Ich kann mich für oder gegen etwas entscheiden. Ich kann etwas tun oder lassen. Die Konsequenzen aus meinem Tun oder Nichttun trage ich.
Das andere ist die Tatsache, dass ich der Schmeichelei verfalle.
In dem Moment, in dem ich mir nicht meiner Entscheidungsfähigkeit bewusst bin oder der Tatsache, dass mich Schmeichelei im Sinne eines anderen dirigiert, verlasse ich die Loyalität mir selbst gegenüber. Und das ist es, was mich am meisten leiden lässt. In diesem Leben.
Ob ich das ohne diese "Bilder" herausgefunden hätte? Ich weiß es nicht. Ich bin froh und dankbar, dass mir diese Option gezeigt wurde. Es ist eine Möglichkeit unter vielen, nicht mehr und nicht weniger.

Da ich diese "alten Leben" ziemlich "unheilig" betrachte, habe ich ein weiteres Experiment durchgeführt. Ich habe die Drehbücher zu meinen Filmen umgeschrieben. Schließlich bin ich Drehbuchschreiber, Regisseur, Kostümbildner, Kulissenschieber und Schauspieler in einem. Wer also sollte mich davon abhalten vom Drama Abstand zu nehmen und dem Film ein Ende zu geben, das mich gut fühlen lässt. Und so habe ich den Film an den Punkt zurückgespult, an dem ich die Loyalität mir selbst gegenüber verließ und drehte den Film so, dass er in Loyalität mir selbst gegenüber endete. Das war nicht immer ein glückliches Ende, aber die Scham war vorbei. Darum ging es.

Zurück zu Einsteins Relativitätstheorie.
Wenn es keine Vergangenheit und keine Zukunft gibt, sondern nur den Augenblick, wie kann es dann alte Leben geben? Oder zukünftige? Wenn ich meine Zukunft verändern kann, indem ich mich heute anders entscheide als gestern, warum nicht die Gegenwart verändern, indem ich mich in der Vergangenheit anders verhalte? Kann ich als "jetziges Ich" "back to the future" und meinem "damaligen Ich" einen Rat aus der "Zukunft" geben, die sich als Jetztzeit herausstellt und damit meine "Zukunft" verändern? Weil ich heute einen besseren Überblick habe? Und kann ich dann auch als "Ich aus der Zukunft" mir heute schon Ratschläge geben, wie ich mich in diesem Leben verhalten könnte, so dass es gut für mich ausgeht? Hören wir nicht manchmal eine Stimme, die uns ganz klar von innen heraus sagt, was zu tun und was zu lassen ist? Ist Intuition unsere Stimme aus der Zukunft? Die, die einen besseren Überblick auf unser Leben heute hat, als wir haben könnten, weil wir mittendrin sind?
Und was ist dann mit dem Konstrukt von Ursache und Wirkung?
Kann ich durch klare Entscheidung und Visualisierung meinen Bezugspunkt in der Vergangenheit ändern und somit auch meine Gegenwart? Und welche Auswirkung hat das auf die Menschen, mit denen ich verbunden bin?

Es gibt Dinge, die können wir nicht ändern. Schicksalsschläge.
Was wir ändern können, sind die Gefühle, die sie in uns auslösen und die uns leiden lassen. Eine der Methoden, die ich lernte und die mich überzeugt, ist die "Innere Kindarbeit". Sie ist nichts anderes als das "Arbeiten in alten Leben". In diesem Fall unser "altes Leben" als Kind, das wir denken hinter uns gelassen zu haben. Wir spüren Anteile von uns auf, die eine schlechte Erfahrung gemacht haben. Als Kinder in diesem Leben. Aber wer weiß? Vielleicht sind traumatische Kindheitserfahrungen aus diesem Leben Erinnerungen an Bezugspunkte davor? In der "Inneren Kindarbeit" gehen wir in die Momente, in denen wir verletzt wurden und Gefühle wie Ohnmacht, Scham oder Minderwert entwickelten. Aus einer übergeordneten Sicht und in Verbindung mit unserem "jetzigen Ich", das weiß, dass es diese Situation gemeistert und überlebt hat, können wir besser verstehen und sehen, was falsch lief. Und dann schreiben wir das Drehbuch um. Denn wenn Vergangenheit und Zukunft Illusion sind, dann gilt das Jetzt und im Jetzt können wir kreieren. Eine Geschichte, in der wir uns gut fühlen, ungeachtet dessen, was war und was sein wird.
Dieses Gefühl im Hier und Jetzt ist wichtig.
Die Gehirnforschung hat herausgefunden, dass "Erinnerungen" nicht immer ganz zuverlässig sind. Sie wandeln sich - je nach unserem Bezugspunkt. Geschichte ist dann Geschichte, wenn sie festgehalten ist in Wort und Schrift. Aber - ist es wirklich so gewesen? Und wann kann Geschichte beschrieben, Zusammenhänge erfasst werden? Wenn fünf Schreiber dieselbe Begebenheit beschreiben, würden sie das alle gleich tun? Gäbe es Abweichungen? Es gibt Fakten, die können belegen. Was nicht belegt werden kann, unterliegt der Interpretation.

An mein Büro grenzt eine kleine Kammer. Ich nenne sie "Nostalgiekammer". Dort sammle ich an Schnüren alle kleinen und großen Liebesgrüße und Dankschreiben. Auch ein Schild hängt dort, darauf steht "Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit".
Wenn es Vergangenheit und Zukunft nicht gibt, wenn Zeit und Raum lediglich ein Erfahrungsfeld schaffen, das, was unsere Gefühle betrifft, unserer persönlichen Auslegung unterliegt, dann kann es auch nicht zu spät sein für eine glückliche Kindheit.

Was ich hier beschreibe ist wissenschaftlich nicht fundiert, nicht belegbar, nicht erwiesen, nicht bewiesen. Es ist eine Idee. Und ein Experiment.


***

Dieser Beitrag ist Teil einer Themenzusammenfassung, die Sie unter "RaumZeiten" auf meiner Homepage finden.


Donnerstag, 6. Februar 2014

Vorsicht Coach!

Das Wort, das ich 2013 am wenigsten mochte, war "Potenzialentfaltung".
Bereits Anfang Februar kristallisiert sich mein persönliches Unwort des Jahres 2014 heraus - "coaching".

Die rasante Verbreitung dieses ungeschützen Begriffs wirkt auf mich inflationär. Wo auch immer ich hinschaue - es wird gecoacht. Überall sprießen Persönlichkeitscoaches, Bewusstseinscoaches, Potenzialentfaltungscoaches, Ehe-Coaches, Krisen-Coaches, Abnehm-Coaches, Life-Coaches, Führungscoaches, Finanz-Coaches, Management-Coaches aus dem Boden. Warum fühlen sich so viele Menschen wie noch nie dazu berufen andere Menschen zu beraten, was ihre Gesundheit, ihre Work-Life-Balance, ihre Finanzen, ihre Ehe, ihre Leistungsfähigkeit, ihre sportliche Effizienz, ihre berufliche Leistung, angeht?
Klar, das Leben dreht sich immer schneller und wir wollen mithalten statt rausfliegen. Klar, wir haben immer weniger wirklich soziale Kontakte und damit immer weniger gute Gespräche. Klar, das DauergutdraufseinpositivdenkenundauchnochHöchstleistungerbringenmüssen ist anstrengend.

Aber könnte es nicht auch sein, dass in einem Land, wo Therapie noch immer argwöhnisch als Schwäche beäugt wird und noch immer mit dem Vorurteil behaftet ist, dass das nur "Psychos" nötig haben, dass in einem solchen Land die Menschen lieber eine Ausbildung machen, weil "Kompetenz" in der Beratung einfach höher steht als "Bedürftigkeit" in der Beratung?
Nun stehen all diese ausgebildeten Coaches zur Verfügung und sie wissen, was zu tun oder zu lassen ist. Sie wissen, wie unsere Vitalität, Effektivität und unser Glück gesteigert werden können. Dumm nur, dass noch so viele auf der anderen Seite bocken. Warum? Warum klappt das in anderen Ländern und bei uns nicht? Warum sind bei uns noch nicht alle willig Geld auszugeben um zu erfahren, wie sie sich selbst optimieren und glücklich machen können?

Um wieder ein Gleichgewicht herzustellen, habe ich einen Vorschlag: Lassen wir uns doch alle zu Coaches ausbilden (Leute, DAS ist mal eine Bezeichnung für die es keinerlei Voraussetzungen braucht)! Dadurch zeigt keiner Bedürftigkeit, wir tragen alle denselben Titel und wissen, wie der Hase läuft. Keiner muss sich mehr berufen fühlen einen anderen zu beraten und ein jeder weiß, wie er seine Vitalität, Effizienz und sein Glück steigern kann!
Der Coaching-Wahn könnte aufhören, weil jeder sein eigener Coach ist und es kein anderer für ihn besser weiß.
Wo gibt es die Petition, dass Coaching-Ausbildungen in Zukunft von den Krankenkassen bezahlt werden? Als eine Art Selbsttherapie und persönlicher Wertsteigerung? Oder ist es dann nichts besonderes mehr, wenn wir uns alle Coach nennen dürfen?

Tja, was dann? Dann gibt es wieder was, bestimmt, es gibt immer was....



kleine Wunder

Vor einigen Wochen nahm ich mir aus dem Wald Heidelbeersträucher mit nach Hause. Sie standen struppig auf meiner Fensterbank. Aber dann .... in der Wärme der darunterliegenden Heizung, entfaltete sich Leben. Es entrollten sich Blättchen und kleine, fast durchsichtige Lampions wuchsen dazwischen. Zuerst zartrosa, nun beerenfarben. In der Natur habe ich dieses Schauspiel noch nie so verfolgt. Die Beeren fallen mir dann auf, wenn sie bereits dunkel an den Sträuchern hängen.
Auf meinem Fensterbrett entwickeln sie sich wie unter einem Zeitraffer. Ich werde sie nun auch im Wald aufmerksamer betrachten.


Mittwoch, 5. Februar 2014

Verlassen(d)e Kinder


Der am häufigsten aufgerufene Post in meinem Blog ist der über "Verlassene Eltern".
Ob die Betroffenen dort finden, wonach sie suchen, weiß ich nicht. Er wurde heute zum 1.150-sten Mal aufgerufen - ohne eine Rückmeldung.
Dafür häufen sich in den letzten Wochen die Rückmeldungen von Lesern, die eher zufällig auf mein Blog oder meine Website kommen. Es sind die Kinder, die mir schreiben.
Euch möchte ich heute ganz herzlich danken für die netten Zeilen. Es tut gut zu wissen, dass ich dort draußen jemanden erreiche.
Die wenigsten von euch schreiben Details aus ihrer Geschichte, die meisten von euch fühlen sich verstanden. Danke für das Feedback. Es lässt auch mich verstanden wissen.


Montag, 3. Februar 2014

Einatmen - Ausatmen

It's very important that we re-learn the art of resting and relaxing. It allows us to clear our minds, focus, and find creative solutions to problems.

~ Thích Nhất Hạnh
Lange Zeit habe ich nicht wirklich gewusst, dass nach jeder Phase der Anspannung eine Phase der Entspannung folgen sollte. Warum? Wofür soll das gut sein? Powern, powern, powern. Das ist gut. Als mir jemand sagte, dass mein Feuer zum Kamin rauslodert und ich mich nicht wundern brauche, wenn ich eines Tages nichts mehr zum Nachlegen habe, lachte ich.
Erst als ich anfing Kampfkunst zu praktizieren und mit fernöstlicher Lebensanschauung in Kontakt kam, erhielt ich eine Ahnung, warum es wichtig ist, richtig einzuatmen und auch richtig auszuatmen. Ich musste es über meinen Körper erfahren, der Verstand konnte es nicht erfassen, denn immer auf Hochleistung zu laufen, das ist gut. So wurde es mir beigebracht. Sei fleißig, sei schnell, sei gut, sei besser. Am Besten die Beste. Faulsein ist unnütz, bringt nichts, macht träge.

Die Mutter aller Kampfkünste ist Kungfu.
Auch unser Karatestil basiert auf dem Kungfu-Stil Pangai Noon, was "halb hart und halb weich" bedeutet. Wir Deutschen können hart. Was uns wirklich entsetzlich schwer fällt, ist weich. Wir gehen ins Fitnessstudio und trainieren Muskeln. Muskeln sind gut, aber nicht, wenn sie nicht elastisch sind. Ohne Elastizität machen Muskeln unbeweglich. Sie sehen toll aus, sind aber nicht gut im Gebrauch. Ihnen fehlt die Schmiere, die die Dehnfähigkeit erhält.
"Wie ein Bambus im Wind". Das ist die Metapher für Resilienz. Eine Fähigkeit, die in aller Munde ist. Wir lernen das aber nicht. Weder körperlich, noch geistig. So eingeschränkt wie unsere Muskulatur, so eingeschränkt ist auch oft unser Geist.
Mit Praktizieren des Karate-Do habe ich verstanden, dass die Dynamik erst aus dem Zusammenspiel von Lockerlassen und Anspannung in letzter Sekunde kommt. Wer es schafft, die Kraft nicht aus den Muskeln zu holen - was auf Dauer enorm anstrengend ist - sondern aus seinem Zentrum, und dabei auch noch weich bleiben kann, dessen Technik kommt explosiv.
Hart können wir alle, Kraft haben wir, aber das Weichsein, das Entspannt sein, das Lockersein, das erfordert Übung. Wenn wir Energie nicht verschwenden wollen, gilt es das Gelassensein zu trainieren. Erst dann ist es möglich, die Kraft gebündelt auf den Punkt explodieren zu lassen. Im Karate nennt man das Kime. Asiaten haben dieses Verständnis und Meister trainieren Jahrzehnte. Uns fehlt dieses Verständnis und es ist fraglich, ob ich es jemals beherrschen werde. Ich trainiere, ungeachtet dessen, ob ich es schaffe oder nicht. Dafür braucht es Spirit.

Ich wünsche euch guten Spirit und gutes Kime.

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Dieser Beitrag ist Teil einer Themenzusammenfassung, die Sie unter "RaumZeiten" auf meiner Homepage finden.