Sonntag, 28. September 2014

Der Herbst lässt grüßen


Und die perfekte Musik für den romantischen Abend auf dem Fell vor Kaminfeuer? Mein Tipp: Adam Cohen mit seinem neuen Album "We go home".
Ja tatsächlich, er kann seine Abstammung nicht verleugnen. Leonard Cohen hat ja viele Frauenherzen gewärmt mit seinem Sprechgesang. Sein Sohn kann das auch.
Und nein, wir haben noch immer keinen Kamin, dafür aber heute die Heizsaison eröffnet. Und mit einer Tasse Tee vor dem warmen Rippenkörper ist es nicht ganz so romantisch, aber auch okay.
Haltet euch warm!

Freitag, 12. September 2014

Kontaktabbruch

Ich habe auf meinem Blog viele Aufrufe zum Thema Kontaktabbruch zwischen verlassenen Eltern und verlassenden Kindern.
Das sind die Themen, mit denen ich mein Blog startete.
Auch wenn ich heute nicht mehr so viel in Foren und Blogs unterwegs bin, die sich mit diesen Themen befassen, sondern mir gerne zwischendurch schöne Bilder auf Lifestyleblogs anschaue, ist dieses Thema doch eines meiner großen Lebensthemen.
Es gibt viele Gründe warum Leute schreiben.
So langsam gestehe ich mir ein, dass mein Schreiben unter "Therapeutisches Schreiben" fällt. Warum nicht? Auch ich erfülle Klischees.
Mein therapeutisches Geschreibsel sammel ich auf einer Homepage, wo ich immer wieder versuche das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen und Beiträge zu Themengebieten zusammen zu fassen - Struktur in mein Blogmischmasch hineinzubringen.
Es ist viel Aufwand und ich mache es gerne.
Weil ich selbst so viele Hilfestellungen und Aha-Erlebnisse durch den Aufwand anderer Menschen erlebt habe, die viel Zeit und Energie in ihr Schreiben leg(t)en.
Alles hat zwei Seiten.
Das Gute am Internet liegt für mich darin, dass wir viele Informationen (kostenlos) zur Verfügung gestellt bekommen, weil viele Menschen sich die Mühe machen ihre Erkenntnisse und Analysen zu veröffentlichen. Diesen Menschen möchte ich heute danken.
Unter anderem waren sie es, die mich dazu inspirierten meine Beiträge nicht im Nirwana entschwinden zu lassen, sondern zu sammeln und zu aktualisieren.
Ich habe mal wieder aufgeräumt und wer sich vom Thema "Kontaktabbruch" angesprochen fühlt, findet erweiterte Informationen auf meiner Homepage unter "Traumatisierte Familien" und mehr Informationen, wie Bücher, links, Blogs, etc. unter "Mehr".

Mittwoch, 10. September 2014

Und bitte schau freundlich ...

Gestern schrieb ich über eine Form der Traumaweitergabe.

Ich selbst weiß, welche Auswirkungen Übergriffe solcher Art auf die Entwicklung der Sexualität und damit der allgemeinen Entwicklung von Mädchen haben. Die gesunde Entwicklung wird empfindlich gestört. Wer nicht darüber reden darf oder kann, hat auch nicht die Möglichkeit zur Verarbeitung. Um mit den Dingen fertig zu werden, erfolgen häufig Reinszenierungen des Leids. Unterbewusst möchte man mit der Inszenierung von Leid auf das eigene empfundene Leid aufmerksam machen und tut sich nur selbst weh. Die Reinszenierungen haben vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten. Sie können in der Fantasie stattfinden (auch Selbsttötung) oder in selbstverletzendes Verhalten jeglicher Art, von Essstörungen, Alkoholismus bis zum Ritzen, übergehen. Das Eingehen von missbräuchlichen Beziehungen und daran Festhalten bis hin zur Depression kann darunter fallen.

Lange Zeit fragte ich mich, warum mich meine Mutter nicht aus missbräuchlichen Verhältnissen und Umständen befreite, obwohl ich sie darum bat. Sehr spät wurde mir klar, dass sie eine Leidensgenossin aus mir machen wollte. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Dabei war es aber so, dass mein Leid nie an das ihre herankam. Egal, was mir passierte oder welchen Umständen ich mich dann später aussetzte, meine Mutter hatte immer eine Trumpfkarte in der Hand. Ich hätte also leiden können bis zur Selbstaufgabe und wäre im Leidenskonkurrenzkampf doch immer die Verliererin gewesen.

In einem der Seminare, die ich besuchte, fielen dann die magischen Worte, die mir halfen die Dinge zu durchschauen und mich daraus zu befreien. Nicht selten ist es so, dass Kinder aus gestörten Familien in ihrer Entwicklung sabotiert werden und sich später selbst sabotieren. Der Grund dafür ist Solidarität. Wir dürfen nicht größer werden als unsere Eltern, nicht stärker, nicht freier, nicht autonomer, nicht erfolgreicher. Der Satz "Meinen Kindern soll es mal besser gehen als mir" ist nicht selten eine leere Phrase. Mir ging es immer besser als meiner Mutter, da mein Leid einfach nie an ihres heranreichte. Was in einer gesunden Familie erfreut, kann in einer gestörten Familie nicht selten zu Neid oder Hass führen. Damit ist schwer umzugehen. Um ein akzeptiertes Glied im System zu bleiben, machen wir uns selbst kleiner und lassen das Versagen unserer Eltern dadurch noch als kleinen Erfolg erscheinen.

"Und bitte schau freundlich, wenn es mir besser geht als dir"

Diese Worte wird keiner verstehen, der aus einer gesunden Familie kommt, die seine Entwicklung wohlwollend unterstützt hat.
Diese Worte sind gedacht für diejenigen, die sich für ihre Eltern demütigen. Denen vermittelt wurde, dass sie nicht genug sind, aber auch ja nicht zu viel werden dürfen.

Probiert es aus.
Stellt euch dem Elternteil gegenüber (das muss nicht real sein, klappt genauso in der Vorstellung), das von euch fordert, dass auch eure Schulkarriere schnell beendet ist (du bist zu dumm), dass auch eure Beziehung den Bach runtergeht (du bist nicht liebenswert), dass auch ihr für einen Hungerlohn arbeitet (du hast nicht mehr verdient), dass auch ihr gemobbt werdet (wer will dich schon als Freund). Dass ihr an der Welt leidet (du bist einfach unfähig).
Es funktioniert.
Schaut euch selbst freundlich an, wenn es euch besser geht als euren Eltern.
Weil ihr klug, liebenswert, wertvoll, freundlich, fähig seid.
Es ist eine Aufgabe, die es gilt zu erfüllen.
Für euren Wachstum und den eurer Nachkommen.
Letztendlich wachsen auch die Eltern daran.

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Dieser Beitrag ist Teil eines Themas, das ihr auf meiner Homepage unter "Traumatisierte Familien -Stricke lösen" findet.


Dienstag, 9. September 2014

Traumaweitergabe

Mit 11 Jahren bekam ich privaten Gitarrenunterricht bei einem älteren Mann. Als ich mich meiner Mutter anvertraute und ihr sagte, dass mich dieser Mann bei der Begrüßung und beim Abschied immer ganz fest umarmt und komisch anfässt, bezichtigte sie mich der Lüge.
Im Bekanntenkreis meiner Eltern gab es ein kinderloses Ehepaar. Der Mann rühmte sich dafür, dass er sich prächtig mit der Jugend verstehen würde. Immer wenn sie zu Besuch waren, kam er irgendwann auf mein Zimmer, wo er mir seine Weltanschauung präsentierte, während er ununterbrochen auf meine Brüste starrte. Ich war damals 14 und als ich meine Eltern darum bat, dass sie ihn von seinen Besuchen auf meinem Zimmer abhalten sollten, meinte meine Mutter, dass ich mir das alles nur einbilde.
Der Vater meiner damaligen besten Freundin startete einen sexuellen Übergriff auf mich, als ich 15 war. Ich hatte Angst vor einer Vergewaltigung. Diesmal behielt ich den Vorfall für mich und brach schweigend den Kontakt zur Freundin ab.
Als mich Jahre später meine Mutter fragte, warum die Freundschaft damals so abrupt endete, erzählte ich ihr den Vorfall. Ihre Reaktion darauf war "Was meinst du, was mir alles widerfahren ist? Ich war Freiwild!"

Schulbusfahrer wegen Missbrauch verurteilt
Ein Busfahrer hat seine Stellung ausgenutzt und Schülerinnen sexuell missbraucht. Erst nach einem Jahr wurde er angezeigt. Jetzt folgt das Urteil.

Passau. Das Landgericht Passau hat einen Schulbusfahrer wegen sexueller Übergriffe auf Mädchen zu drei Jahren Haft verurteilt. „In diesem Bus waren die Mädchen für den Angeklagten Freiwild“, sagte der Richter Wolfgang Hainzlmayr am Freitag. Die Aussagen der minderjährigen Opfer seien glaubhaft. Verurteilt wurde der 36-jährige Angeklagte wegen Vergewaltigung und schweren sexuellen Missbrauchs von zwei Mädchen im Alter von 13 Jahren. Allerdings hatten auch mehrere andere Mädchen von Übergriffen des Mannes in dem Schulbus im Raum Grafenau (Kreis Freyung-Grafenau) zwischen Mai 2012 und Frühjahr 2013 berichtet.

Drei Mädchen hatten am letzten Schultag vor den Sommerferien 2013 der Vertrauenslehrerin von den Grenzüberschreitungen des Fahrers erzählt. Sie machten sich Sorge um jüngere Schwestern, die ab dem neuen Schuljahr mit dem Schulbus fahren mussten. „Sie wollten nur, dass das aufhört“, sagte Hainzlmayr. Den Opfern stehe Schmerzensgeld zu.

Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe gefordert. Die Frau des Angeklagten brach bei der Urteilsverkündung in Tränen aus. Der Mann selbst zeigte keine Reaktion.

Das Gericht blieb unter der Strafforderung der Staatsanwaltschaft. Der Richter begründete dies damit, dass der Angeklagte als Familienvater „besonders strafempfindlich ist. Er muss seine Frau und zwei Töchter im Stich lassen.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Zeitungsnotiz vom 5. September 2014

Wo in dieser Geschichte tauchen die Mütter oder die Väter der missbrauchten Mädchen auf?

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Dieser Beitrag ist Teil eines Themas, das ihr auf meiner Homepage unter "Traumatisierte Familien - Stricke lösen" findet.



Montag, 1. September 2014

Von Basaren und unnütz Schönem

Ich möchte heute mal ein bisschen Werbung machen.
Warum?
Weil ich zu der Spezies gehöre, die einen ausgesprochenen Hang zu Dingen hat, die andere als unnütz bezeichnen würden, die aber mein Leben ungeheuer verschönern und bereichern. Dinge, die mir Freude machen.
Natürlich ist heutzutage das Onlineshoppen in, aber als ich kürzlich eine Bestellung bei einem der führenden Onlinunternehmen tätigte, habe ich sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Dort wird alles angeboten, was vorstellbar ist, aber es gibt weder eine Qualitätskontrolle bei den Anbietern, noch bei der Ware. Das Unternehmen versteht sich als Plattform, das Anbietern Raum gibt. Für mich hat die Korrespondenz zu einem Marketplace-Verkäufer Basarqualität entwickelt, als der die minderwertig verarbeitete Ware zuerst nicht zurücknehmen wollte und dann meinte, ich könne sie schon zurückschicken, aber auf meine Kosten (berechtigt nach den neuen Versandgesetzen) - nach Spanien, da sitzt er. Das Ganze kam in rudimentärem Deutsch und auch das große Bestellunternehmen konnte oder wollte mir nicht weiterhelfen, sondern hat mich immer nur an den Versender verwiesen. Das Geld für die Ware war sofort abgebucht, eine Rückerstattung hing von der Einwilligung des Verkäufers ab. Nun weiß ich, dass sich auf dem Marketplace seriöse neben unseriösen Anbietern tummeln und das große Unternehmen, das sich die Auszeichnung "kundenfreundlichstes Versandunternehmen" verdienen möchte, das erlangt, indem es kritische Rezensionen (zum Unternehmen) nicht veröffentlicht.
Eine ganz andere Erfahrung machte ich kürzlich in einem kleinen Laden in unserer Stadt. Schon lange bewunderte ich die Kissen in der Auslage und dann wurde mir mit einem freundlichen Lächeln das Angebot gemacht, zwei Kissen zur Auswahl mitzunehmen, um schauen zu können, welches farblich passt. Ohne Vorkasse. Und nun liegt dieses wunderschöne (Fair-trade)Kissen in meiner Meditationsecke und ich freue mich darüber, weil es auch noch mit diesem Lächeln verbunden ist.
Und deswegen möchte ich heute einmal Werbung machen für diese vielen, kleinen Läden in unseren Städten und Dörfern, die liebevoll von Inhabern betrieben werden und das Straßenbild und unser Leben bereichern. Unsere Stadt ohne diese Läden wäre für mich unvorstellbar trist und ich danke diesen Menschen, die den Mut haben, in Zeiten riesiger Onlineunternehmen mit viel Aufwand Zauber in die Gassen zu bringen.

Ach übrigens, falls euch das Kissen oder die marokkanischen Teelichthalter im Hintergrund gefallen - das alles und noch viel mehr findet ihr unter Zeitgeist Living & Deco.
Und falls ihr nicht in der Gegend wohnen solltet, pssssst, es gibt einen Onlineshop!

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Dieser Beitrag und andere sind auf meiner Homepage unter "1 % Kampagne" zu finden. Mach mit! Ich freue mich über Gastbeiträge zu allem, was unser Leben reicher, schöner, leichter macht.