Freitag, 19. Februar 2016

Was auch immer geschieht

Was auch immer geschieht:
Nie dürft ihr so tief sinken,
von dem Kakao, durch den man euch zieht,
auch noch zu trinken!

Erich Kästner


Donnerstag, 11. Februar 2016

... indem er es einfach tat

In einem Interview fragt das ZEIT-Magazin Nr. 6 den Regisseur Bernardo Bertolucci, welche Rolle Pier Paolo Pasolini für ihn spielte. Seine Antwort:
Pier Paolo lebte lange Zeit mit seiner Mutter im selben Haus wie meine Eltern. Er hatte Gedichte geschrieben, Romane und Drehbücher, als ich ihn eines Morgens, ich war 19 oder 20, an der Tür traf. Er sagte: "Du liebst doch das Kino, richtig?" Ich sagte: "Ja, das stimmt." - "Okay, ich drehe bald meinen ersten Film, und du wirst mein Regieassistent sein!" Ich antwortete: "Aber Pier Paolo, ich habe das noch nie gemacht!" Und er sagte: "Ich auch nicht!" So bin ich jeden Morgen um sieben Uhr vom fünften in den zweiten Stock runtergegangen, habe an seiner Tür geklopft, wir liefen zur Garage, wo sein Alfa Romeo Giuletta stand und fuhren zum Dreh. Wir besprachen unterwegs, was wir an dem Tag drehen würden, manchmal erzählte mir Pier Paolo, was er in der Nacht geträumt hatte. Ich war vollkommen verzaubert von ihm. Er war so ein Genie. Genie ist ein abgegriffenes Wort, aber er war einfach ein außerordentlicher Dichter und Regisseur - und ich hatte das Privileg, dabei zu sein, wie er seinen ersten Film drehte, Accattone. Es war großartig, zuzusehen, wie er das Filmemachen entdeckte, indem er es einfach tat.
Merkt ihr was?

Ich liebe Geschichten aus dem Leben, in denen Menschen zu ihrer Höchstform auflaufen, ohne dass Worte wie Hochschule, Universität, Eliteausbildung oder ähnliches auftauchen.

Ich liebe Geschichten aus dem Leben, in denen Menschen etwas Außergewöhnliches vollbringen, obwohl oder vielleicht gerade weil ihnen niemand gesagt hat, dass es nicht geht, dass es unmöglich ist, dass es nicht richtig ist, dass es nicht der Form/Geschichte/Lehrmeinung/Wissenschaft/Irgendwas entspricht.

Ich liebe Geschichten aus dem Leben, in denen von Talent, Liebe, Zauber, Genie, Herzblut die Rede ist und das Wort Profit einfach nur jämmerlich armselig wirken würde und deswegen auch definitiv ausgeladen ist.

Ich liebe Geschichten aus dem Leben, in denen Menschen Dinge lernen, indem sie sie einfach tun.

Ich liebe Geschichten aus dem Leben, in denen das Leben selbst der größte Lehrer ist.